Online-Verträge, Ratenzahlungen, „Buy-Now-Pay-Later“-Angebote – gerade für Jugendliche sind finanzielle Alltagskompetenzen wichtig, um sich vor Betrug oder Überschuldung zu schützen. Gleichzeitig gilt es, jungen Menschen die Chancen guter finanzieller Entscheidungen für das eigene ökonomische Wohlergehen aufzuzeigen. Starke Finanzkompetenzen tragen letztlich auch zur Stärke unserer Volkswirtschaft und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Daher stärkt die Landesregierung gezielt die Kompetenzen im Umgang mit den eigenen Finanzen.
Zum zweiten Mal fand an einer hessischen Schule der Tag der Finanz- und Verbraucherbildung statt – dieses Mal am Gymnasium Philippinum in Marburg. In Workshops unter anderem von der Deutschen Bundesbank, der Verbraucherzentrale Hessen, der Deutschen Börse, der Schufa, des Finanzamts Marburg-Biedenkopf oder der Deutschen Rentenversicherung konnten sich die Schülerinnen und Schüler in werbefreien und unabhängigen Angeboten mit Finanz- und Verbraucherfragen vertraut machen.
Finanzkompetenz stärkt junge Menschen
Bildungsminister Armin Schwarz und Finanzminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz betonten an diesem Montag in Marburg die Bedeutung von finanziellen Kompetenzen für Jugendliche.
Bildungsminister Armin Schwarz: „Das Ziel ist nicht, aus jedem Jugendlichen einen Börsenprofi zu machen. Die Schülerinnen und Schüler müssen beim Verlassen der Schule fundierte finanzielle Alltagskompetenzen besitzen, um selbstbestimmt am Wirtschaftsleben teilnehmen und als kritische Verbraucherinnen und Verbraucher Konsumentscheidungen treffen zu können. Sie müssen in der Lage sein, Risiken von modernen Bezahlsystemen einschätzen zu können und Verträge – wie etwa Mobilfunkverträge – in ihren finanziellen Konsequenzen zu durchdringen und zugleich die Notwendigkeit von privater Altersvorsorge und essenziellen Versicherungen zu verstehen, um sich frühzeitig gegen Risiken, z. B. Altersarmut, abzusichern. Wir stärken beides: Finanzbildung und Verbraucherschutz.“
Finanzminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz: „Ich bin überzeugt: Jede und jeder Einzelne kann mit starken Finanzkompetenzen etwas für sich selbst bewirken. Finanzkompetenz gibt Menschen die Werkzeuge an die Hand, um resilient, selbstbestimmt und widerstandsfähig zu handeln. Das stärkt auch den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Wir begreifen Finanzbildung als eine Lebensaufgabe. Deshalb fördern und unterstützen wir unsere Bürgerinnen und Bürger in und außerhalb der Schule und entwickeln Schritt für Schritt die passenden Angebote.“
Finanzbildung in der Schule
Finanzbildung und Verbraucherschutz sind an Schulen keine Einzelaufgabe, sondern durchziehen viele Fächer – von Politik und Wirtschaft über Arbeitslehre bis hin zu Deutsch, Mathematik, Geschichte und Geographie. An weiterführenden Schulen ist Politik und Wirtschaft als Leitfach der ökonomischen Bildung etabliert – sowohl an allgemeinbildenden als auch an beruflichen Schulen. Die Schülerinnen und Schüler werden hier befähigt, ihre eigene ökonomische Situation zu analysieren, Angebote – sei es bei Konsumgütern oder Finanz- und Versicherungsdienstleistungen – kritisch zu hinterfragen und als mündige Verbraucherinnen und Verbraucher fundierte Entscheidungen zu treffen. Die Lehrkräfte werden mit Fortbildungen und Handreichungen unterstützt. Ab dem Schuljahr 2027/2028 wird in Hessen das neue Pflichtfach „KI und Digitale Welt“ ab der Jahrgangsstufe 5 eingeführt. In den Jahrgangsstufen 5 und 6 werden in dem Fach auch Inhalte und Kompetenzen der Finanz- und Verbraucherbildung vermittelt.
Workshops und Podiumsdiskussion mit Fachleuten
Die Verbraucherzentrale Hessen und die Deutsche Bundesbank beteiligten sich mit Workshopangeboten an der Veranstaltung. Darüber hinaus diskutierten Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen, und Dr. Ulf Slopek, Präsident der Hauptverwaltung in Hessen der Deutschen Bundesbank, gemeinsam mit den Ministern und Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums im Rahmen einer Podiumsdiskussion.
Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen: „Der jährliche Tag der Verbraucherbildung ist ein wichtiger Termin im Jahreskalender der Verbraucherzentrale Hessen. Es ist mir persönlich ein ganz besonderes Anliegen, dass wir uns daran beteiligen. Junge Menschen müssen lernen, Verträge und Kosten zu beurteilen, Risiken zu erkennen, digitale Geschäftsmodelle kritisch zu hinterfragen, und sie müssen ihre Rechte im Verbraucheralltag kennen. Gerade bei Themen wie Bezahlen, Verschuldung, Altersvorsorge und digitalen Finanzangeboten brauchen sie Orientierung für selbstbestimmte Entscheidungen. Der Tag der Verbraucherbildung ist ein wichtiger Baustein für eine gute Verbraucher- und Finanzbildung in Hessen. Gleichzeitig zeigt er, wie wichtig es ist, diese Themen verlässlich und unabhängig an den Schulen zu verankern.“
Dr. Ulf Slopek, Präsident der Hauptverwaltung in Hessen der Deutschen Bundesbank: „Eine solide Finanzbildung ist für die Deutsche Bundesbank von besonderer Bedeutung. Sie hilft bei der Gewährleistung von Preisstabilität, da sie Geldpolitik effektiver macht. Sie leistet einen Beitrag zur Finanzstabilität, weil Fehlentscheidungen oder mangelndes Risikobewusstsein zu Krisen führen können. Und sie erleichtert das Verständnis von Innovationen wie ‚Krypto-Assets‘ oder dem digitalen Euro.“
Finanzwissen auch online vermitteln
In einer Kooperation mit dem Geldratgeber „Finanztip“ zeichnete das Finanzministerium zudem gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern eine neue Folge der Online-Reihe „60 Minuten für Deine Finanzen“ auf. „Finanztip“-Experte und Podcaster Emil Nefzger trug zum Thema „Vom Sparschwein zum Depot?! So baust du Vermögen auf“ vor und stellte sich den Fragen der interessierten Schülerinnen und Schüler. Das Finanzministerium wird diese Folge am 3. November 2026 auf seinem YouTube-Kanal auch zum nachträglichen Anhören online stellen.
Für die Aktivitäten in der Finanzbildung wurden das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen und das Hessische Finanzministerium kürzlich mit dem Deutschen Wirtschaftsbildungspreis ausgezeichnet. Die Flossbach von Storch Stiftung würdigt damit die enge Zusammenarbeit beider Häuser, mit der Hessen die Wirtschafts- und Finanzbildung schulisch und außerschulisch stärkt. Zu den Angeboten, die aus dieser Zusammenarbeit entstanden sind, zählen unter anderem Zukunftstage für Auszubildende, das Online-Format „60 Minuten für Deine Finanzen“, die Social-Media-Kampagne „80 Jahre. Finanzkompetenz. Made in Hessen“, die Initiative „Finanzen erleben in Frankfurt – FeiF“, der Tag der Finanz- und Verbraucherbildung an hessischen Schulen sowie digitale Angebote wie die von der Goethe-Universität entwickelte App „Seasn@Schule“.